Montag, 10. September 2012

Der Hauch einer besseren Zeit

Ich weiß, dass das Mittelalter in vielerlei Hinsicht alles andere als eine schöne oder gar besser Zeit war.
Unüberwindbare Standesgrenzen, willkürliche Landesherren, verheerende Kriege, das Ausgeliefertsein gegenüber dem Klima, Intoleranz, Aberglaube, fehlende Hygiene, Ignoranz gegenüber fremdartiger (sprich: orientalischer) weit fortgeschrittener Medizin... Die Liste an Punkten, die das Leben der mittelalterlichen Bevölkerung erschwerten und einen froh sein lassen, im Hier und Jetzt zu leben. Ich selbst würde wahrscheinlich nicht leben, wäre ich vor 800 Jahren geboren worden, und auch meine Mutter wäre wahrscheinlich bei der Entbindung gestorben.
Aber dennoch gibt es auch verlockende Dinge aus dieser Zeit, die in der deutschen Romantik verklärt wurden und bis heute in den Köpfen vieler von uns verankert sind: das Zusammenspiel von Mensch und Natur, die Demut der Menschen vor Gott und seiner Schöpfung (egal aus welchem Beweggrund, die Demut vor Letzterem würde der heutigen Gesellschaft durchaus gut tun!), romantische Liebe zwischen einem Poeten und einer für ihn unerreichbaren Edeldame und eine gewisse literarische Hochkultur. 
Ich weiß, dass das Mittelalter nie besonders bunt und lustig war, aber dennoch ist es schön, in die Welt eines Mittelaltermarktes einzutauchen. In eine Welt, die besonders die schönen Dinge jener Ära wieder aufleben lassen und das mit einem Schuss Fantasy vermengt - eintauchen in eine bessere Zeit, die es so nie gegeben hat.

Oh nein, eigentlich wollte ich nur kurz eine Einleitung für meinen Festivalbericht schreiben, und jetzt ist eine Hymne auf Mittelaltermärkte entstanden. *hihi*
Also,  wie schon angekündigt, war ich dieses Wochenende in Selb auf Europas größtem Mittelalterfestival. Es war bereits das fünfte dieser Reihe (speziell an hedgefairy: ich war auch auf dem II., weiterhin auf dem III. und jetzt auf dem V.). Das Festival findet auf einem relativ großem Gelände (Stadtpark?) statt und verläuft sich dadurch schön ruhig. 
Es gibt zwei große Bühnen, wo abends die Headliner, und nachmittags unbekanntere aber oft musikalisch sehr wertvolle Bands spielen. Dazwischen befindet sich das Markttreiben, die Theaterbühne und das Lagerleben. 

Am ersten Abend haben wir uns noch nicht so viel Musik gegeben. Erstmal unser Quartier in der Turnhalle (yes, das ist echt Luxus!) bezogen, sind ein wenig durch das Städtchen gebummelt und ein bisschen über den Markt gebummelt.



Marktimpressionen....



Der Headliner an diesem Abend war Saltatio Mortis. Ich war von ihrem Auftritt begeistert. Eigentlich hab ich nur das Aus der Asche Album und kenn die andren Lieder nicht so gut, aber die sind live einfach so energiegeladen und freundlich. Alea macht die ganze Zeit Kung Fu Sprünge und halbe Saltos und sie haben auch den Fall mit Pussy Riot angesprochen und ihnen "Wirf den ersten Stein gewidmet".





Am nächsten Tag erstmal eine Tasse Chai im Teezelt (richtig schön ingwerscharf, das macht auch das Milchlastige wett), wieder bisschen Marktgeschehen und ein marokkanisches Mittagessen.
Danach gings mit Musik weiter.
Am Nachmittag haben wir die Band Stellamara aus den USA gesehen, die das letzte Konzert auf ihrer ersten Europatour gegeben haben. Auch wenn das eine recht unbekannte Gruppe ist, war das eines der besten Konzerte auf dem Festival - und Oliver Sa Tyr gibt mir da Recht (: - ihre Musik ist sehr kühl, hat bisschen was von Faun, beschränkt sich aber auf den orientalischen Bereich. Sehr tanzbar!
Dann kam Faun und die haben sich mal wieder selbst übertroffen. Nachdem ich die letzten Konzert im Zuge ihrer Acoustic Tour besucht habe, war die letzten beiden Male Niel Mitra nicht dabei,, aber diesmal war die Musik wieder ziemlich bass- und synthesizerlastig und das Programm war gut durchgemischt, auch mit einem  neuem Lied. *hach* Faun....
Abends war dann Schandmaul der Headliner. Da hab ich keine Photos gemacht, aber es war ganz nett. Mehr aber nicht ^^

Felsbrockenwerfen im Kilt - mittelalterliches Testosteronventil


Das Outfit habe ich übrigens am Tag vorher noch schnell genäht (ähh - das Korsett natürlich nicht!). Die braune Spitze habe ich in meinem vorletzten Post schon angesprochen, daraus habe ich ein einfaches Oberteil gemacht. Ich wollte nicht den ganzen Tag ohne BH und so nach oben gepushter Oberweite rumlaufen und man kann es auch im Alltag gut über Tops oder einfarbige Jerseyoberteile ziehen.
In meinem Schrank habe ich noch einen großen an grünem Strechsamt gefunden, der zumindest bei Lampenlicht, den selben Grünton hat wie das Korsett und sich bei Tageslicht nur minimal davon unterscheidet. Und der glitzert in der Sonne auch noch so schön ♥



Stellamara 
Faun

 Am letzten Tag sind wir leider ein bisschen zum Festivalgelände und haben nur noch ein paar Lieder von dem überragenden Chor an Air gehört, die, in Mittelaltergewandung,  Lieder von Nightwish, Evanesence und Subway to Sally covern. Auch die Rabenballade und ein schottisches Stück waren dabei. Wun-der-schön!
Danach haben wir noch in das Lotus Ensemble reingeschnuppert, die zwischen viel Gerede traditionelle vietnamesische Stücke gespielt haben.
Am Nachmittag stand dann noch das Kinderprogramm auf unserer to-do-Liste und zu Schelmisch haben wir uns auch gesetzt, wobei ich die eigentlich nicht so mag...
Und dann hat Omnia als Sonntags-Headliner das Festival beschlossen. Mit Omnia ist das immer so ne Sache - die waren lange meine Lieblingsband, aber irgendwie kann ich sie nicht mehr leiden, seit Luka aus der Band geekelt wurde. Wer ihren Newsletter abonniertm weiß, dass das alles ziemlich unsauber ist. Mittlerweile sind vom alten Kern nur noch Steve und Jenny übrig und Steve scheint mir irgendwie in einer Art Midlife crisis zu befinden. Sie umgeben sich mit jungen Hüpfern, die nicht wirklich mit dem urpünglichen Geist der Band zu tun haben, wettern gegen jede Art von Religion, die nicht die Ihre ist (Toleranz?!) und dieses ganze love-in-the-forest-Getue erscheint auch ein wenig pubertär. Dann steh ich auf dem Konzert und will mich nicht bewegen, aber spätestens beim zweiten Lied reißt mich die Musik mit und ich muss einfach tanzen und mitsingen, weil diese einfach genial bleibt!

Chor on Air

Lotus Ensemble




*haben will*


Omnia


Das Wochenende war auf jeden Fall wunderschön und ich hoffe, ihr hattet auch so ein schönes Spätsommerwochenende verbracht, das vielleicht auch ein wenig vom Mittelalter-Fantasy-Geist hatte (:
Liebe Grüße!

Kommentare:

  1. Das klingt ja nach einem herrlichen Wochenene =D
    In einer Zeit ohne fliessend warm Wasser hätte ich ja auch nicht leben wollen, aber für ein paar Tage in eine Vergangenheit abtauchen, auch wenn es die nie so gegeben hat, ist doch ein wundervoller Ausgleich zum Alltag.

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  2. Haben die immer noch die Strohhüpfburg? Von der war ich unglaublich begeistert, und mein Mitbewohner hat da drin mal seine Brille verloren (von dem hab' ich gestern auch erfahren, dass er da war. Falls du also einen sehr großen, schmalen Typen mit langen, glatten blonden Haaren, Zauselbart, Brille, heller Hose und schwarzem Hemd gesehen hast, das war er ^^).
    Deine Hymne an Mittelaltermärkte finde ich schön. Das ist auch einer der Gründe, warum ich LARP mache.
    Klingt nach einem super Festival, und ich find's klasse, dass ich nicht die einzige mit genau dieser Einstellung zu Omnia bin. ^^

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  3. Das klingt wirklich so, als hättest du viel Spaß gehabt, auch wenn ich mit Mittelalterkram nicht wirklich viel am Hut habe. ^^
    (Außer wenn ich in meiner Heimat im Harz durch die ganzen Altbaustädtchen spaziere, da hab ich immer Lust auf Mittelalterkram, weils so gut ins Setting passen würde ^^)

    Chai mag ich auch sehr gern, nur zu ingwerlastig darf er grad nicht sein! *lach*

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