Montag, 29. Juli 2013

Aus dem Leben eines Lateinstudenten

Erstmal was zum Lachen:
(Können da Nicht-Lateiner überhaupt drüber lachen? :D)


Also, wie fängt man am besten an?
Meistens werden solche Plattformen wie blogger oder facebook zur positiven Selbstdarstellung genutzt. Man zeigt, was man hat, wie schön man ist, wie viele Freunde man hat, was man alles erdenkt und erschafft - manchmal vielleicht noch bei traurigen Ereignissen, um ein wenig Mitgefühl und ein virtuelles Schultertätscheln zu erheischen. "ist single". "Katze gestorben".
Aber es fällt doch ziemlich schwer öffentlich - und was könnte öffentlicher sein als das World Wide Web? - seine eigenen Fehler und eigenes Versagen zu gestehen.
Ich habe vor gut drei Wochen mein zweites Semester gymnasiales Lehramt in der Fächerkombination Latein und Geschichte beendet. Und irgendwie ... bin ich so bisschen am verzweifeln.
Ich habe mit meinem Abiturzeugnis die goldene Ehrennadel des bayerischen Altphilologenverbandes bekommen. Ich will nicht angeben, ich will nur vorausschicken, dass ich nicht ganz deppert bin (:
Nun, zum zweiten Mal habe ich meinen Deutsch-Latein Übersetzungskurs nicht bestanden. Alle um mich rum, so scheint es wenigstens, haben es, wenn nicht im ersten Semester, doch jetzt geschafft, manche überlegen schon, demnächst im Aufbaumodul weiter zu machen.
Die Hausaufgaben erdrücken: Lektürenhausaufgabe, Übersetzungshausaufgabe und daneben noch etliche Stunden für den Graecumsvorbereitungskurs (hach, ich liebe lange Wörter ^^) lernen, üben, übersetzen. Und jetzt am Ende des Semesters: Übersetzungskurs nicht bestanden, in Griechisch blieb so gut wie nichts hängen.
Bin ich so viel dümmer als die anderen?
Reden die nicht über ihre Schwierigkeiten?
Wird das noch anders?
Soll ich weiterstrampeln oder akzeptieren, was ich nicht kann?

Der Punkt ist: Ich WILL gar nichts anderes machen. Es ist nicht so, dass es alles eine einzige Quälerei wäre. Latein macht mir sehr Spaß und ich wüsste gar nicht, was ich anstelle dessen lieber studieren würde.

Wie geht es euch? Hattet ihr auch schon so Selbstzweifel oder Identitätskrisen?

1 Kommentar:

  1. Puh, erstmal: sacken lassen, Kopf nicht hängen lassen, durchatmen!
    Ich hab andauernd Identitätskrisen. Werde mein Studium nächsten Monat abschliessen und habe keine Ahnung, was danach kommt. Und in den letzten sechs Jahren habe ich mit schöner Regelmässigkeit den Punkt erreicht, an den ich mich fragte "Will ich das? Was tue ich hier überhaupt?". Aber auch wenn mich Dinge störten, ich keine Zukunft sah und ich keine Motivation hatte, weiterzumachen, wie du hatte ich nie eine Alternative. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen, was sonst zu mir passen könnte. Also machte ich erstmal weiter und heute bin ich froh. Ich hatte allerdings nie einen Rückschlag, der mein Weiterstudium gefährdete, also Zensurtechnisch war es bei mir nie im roten Bereich. Aber so wie es bei dir klingt, musst du diesen Kurs nicht jetzt, sondern nur irgendwann im Studium bestehen?
    Du bist sicher nicht dümmer als die anderen, du lernst vielleicht anders, hast eine andere Einstellung zum Studium, aber das macht andere noch lange nicht klüger (ich kann beispielsweise nicht verstehen, wie man sich ausserhalb des Programms auf Tagungen nur über Kunst unterhalten kann und für seinen Job über Jahre eine Fernbeziehung führt. Für mich kommen viele Sachen vor oder neben dem Studium/Job, ich lebe nicht für Kunstgeschichte und scheine damit eindeutig einer Minderheit in meinem Fachbereich anzugehören).
    Ich weiss nicht wie streng bei euch die Vorschriften sind, aber musst du in der Regelstudienzeit fertig werden? Hilft es dir vielleicht, ein Jahr länger zu machen? Dann kannst du die Kurse etwas auseinanderziehen und hast nicht so viel auf einmal, was dich erdrückt. Ich habe meinen Master auch in 6 statt 4 Semestern gemacht und es hat mir sehr gut getan.
    Wenn das immer noch dein Traumjob ist, wenn das trotz allem DEIN Studium ist, dann lass es dir nicht von Noten und Stundenplänen versauen, sondern versuche, es so zu strukturieren, dass du es händeln kannst. Ich hatte mal so ein Buch "Der Studi-Survival-Guide". Da zeigte ein Student, wie er diszipliniert lernen, studieren, arbeiten und in die Ferien fahren konnte, indem er sich selber einen Stundenplan auferlegte und alles zu erledigende frühzeitig abarbeitete (dazu gehörten dann aber auch so Sachen wie von 8-10 lernen, wenn die VL erst um 10 startet).
    Und zum Schluss: Ich liebe Latein. Ich finde es eine wunderschöne Sprache, an welcher ich leider immer gescheitert bin. Ich lerne sehr assoziativ und kann nur sehr schlecht auswendig lernen. Daher fiel es mir immer schwerer als Französisch oder Englisch, was man reden, hören oder lesen konnte. Bis heute habe ich alle Lehrbücher und Aufzeichnungen aufbewahrt, die Hoffnung stirbt zuletzt. Du hast dir so ein tolles und anspruchsvolles Fach gesucht, du magst die Sprache und du kannst sie besser als die meisten (so 'ne Ehrennadel will ja was heissen). Es ist doch normal, dass es schwerer wird, und es ist auch normal, dass es erst dunkler werden muss, bevor es heller wird.
    Such dir vielleicht eine Lerngruppe, mit der du dich austauschen kannst, damit du siehst wo deine Defizite sind.
    Ich drücke dir ganz ganz fest die Daumen, dass du den Spass an deinem Fach nicht verlierst, dass du bald wieder Boden unter den Füssen spürst und dass du weiterstudieren kannst.
    Sollten Lerngruppen und Noten am Ende zeigen, dass du wirklich massive Probleme hast, Schritt zu halten, geh doch mal zur Studienberatung. Die kennen vielleicht die Indikatoren und können dich beraten, was du tun sollst, ob es also vielleicht am Ende doch klüger wäre, umzusatteln.
    Ich wünsche dir alles Gute!!!

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